Christen haben einen "Missionsauftrag". Das verstehen die meisten eher eher-evangelikalen und weniger-liberalen Christen jedenfalls so. Was bedeutet, dass sie sich damit beauftragt sehen, die "Gute Nachricht" den Nichtchristen weiterzugeben. Grundsätzlich nicht verkehrt.

Man kann dabei aber auch Unsinn anstellen.

Ein paar Gedanken dazu...

Es geht um die Gute Nachricht von Jesus Christus. Wenn den Menschen, denen wir was erzählen, nicht klar wird, was denn das nun eigentlich Gute an unserer Nachricht ist, dann haben wir (sehr wahrscheinlich) was falsch gemacht. Dann müssen wir es besser erklären, oder noch besser vorleben, was wir meinen. Oder vielleicht auch mal den Mund halten.

Es geht um die Menschen. Wenn es mir nicht mehr wichtig ist, dass die Menschen meine Botschaft auch verstehen, sondern nur noch, dass ich "meine Aufgabe erfüllt" und sie irgendwie ausgerichtet habe, dann greift das zu kurz. Eine Botschaft wird erst dann zur Botschaft, wenn sie vom Empfänger auch inhaltlich verstanden wird. Ein paar auswendig gelernte Standardaussagen (oder ein entsprechendes "Traktat" in Papierform) reichen da oft nicht aus, und wir müssen auch zu Nachfragen und zum Nachdenken bereit sein.

Authentizität Den Christen wird ohnehin schon gelegentlich vorgeworfen, dass sie Heuchler seien. Das müssen wir nicht noch zusätzlich befeuern, indem wir Dinge vollmundig behaupten (oder meinen behaupten zu müssen), die sich mit unserem Erfahrungshorizont nicht decken. Es wird eben nicht (auf eine platte Weise) "alles gut", wenn wir unser Leben mit Jesus führen. Manches wird vielleicht sogar anstrengender und schwieriger! Aber es ist es trotzdem wert! (Und dann ist es auch eine längere Erklärung wert, und nicht nur eine Parole.) Wir müssen nicht alles schon aus erster Hand erlebt haben, was wir glauben und vertreten. Unser Glaube darf größer sein als unsere Erfahrung. Aber wir sollten beide Dinge deutlich auseinander halten, und sagen, wo wir stehen, und jederzeit echt und aufrichtig sein. Uns oder unseren Glauben nicht aufblasen. Auch nicht "zur größeren Ehre Gottes".

Mission ist ein Lebensstil. Mission ist kein Programm und keine Aktion für bestimmte Tage. Mission ist ein Lebensstil. Wir können viel Zeit dazu verwenden, auf den Straßen und Plätzen, in Bus und Bahn fremde Manschen anzusprechen und ihnen eine 10-Sekunden-Version der Guten Nachricht zu geben. Aber - Hand auf's Herz - sind das die Menschen, die wir dann am nächsten Sonntag im Gottesdienst sehen? Für solche Aktionen ist momentan leider Saure-Gurken-Zeit. Es mag sich alles wieder wenden, aber zur Zeit lassen sich die meisten Menschen so nicht ansprechen, sondern eher abschrecken oder misstrauisch machen. Es gibt aber Menschen, die uns besser kennen: Freunde, Eltern, Kinder, andere Verwandte, Schul- oder Arbeitskollegen, Nachbarn. Denen können wir ein Zeignis der Guiten Nachricht sein. Und zwar nicht (nur) unbedingt mit hehren Worten, sondern (vor allem) mit unserem Leben. Wenn sie unsere "Gute Nachricht" auch in unserem Leben sehen und wiederfinden, hat das ein ganz anderes Gewicht. Und Menschen, deren Vertrauen wir haben (und sei es erst mal nur klein), hören uns auch eher zu.