Seit 2018 suchen wir einen hauptamtlichen Pastor für unsere Gemeinde.

In einem "Anforderungsprofil" für den Vermittlungssausschuss unseres Bundes (der mittlerweile seine Aktivitäten eingestellt hat) haben wir 2024 beschrieben, welche Eigenschaften er mitbringen sollte. Die ersten sechs (für uns) wichtigsten "Rollen" waren:

  • Theologischer Lehrer/in
  • Steuermann/frau
  • Ordnende Hand
  • Visionäre/r Leiter/in
  • Seelsorger/in
  • Prediger/in

(Dass "Prediger" erst auf Platz 6 steht, soll nicht verwundern. Ein Pastor sollte grundsätzlich predigen können. Laut unserer Beraterin ist mit der besonderen "Prediger"-Rolle eine besondere, herausragende Befähigung gmeint, die auch einen Schwerpunkt der Aufgaben an den Pastor darstellt. Da halten wir die anderen "Rollen" bzw. Aufgaben für wichtiger.)

In den weiteren Unterlagen haben wir ferner beschrieben, was uns in der Gemeinde wichtig ist, und was wir entsprechend auch von einem Pastor erwarten:

  • Eine geistliche Berufung zur Leitung (auch als Selbstverständnis zum Handeln in verantwortungsvollen Aufgaben).
  • Eine Ausrichtung an der Bibel, primär in Unterordnung, nicht in überlegener Kritik.
  • Gelebte, sichtbare Christusnachfolge im täglichen Leben, nicht nur am Sonntag.
  • Die Erwartung von Gottes Eingreifen und Handeln, Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes.
  • Sich mit Herz und Hand einbringen, mitdenken, mittragen.
  • Teamfähigkeit; Offenheit, Transparenz, Wertschätzung.
  • Mithilfe bei der Aufarbeitung und Heilung von Verletzungen und Entzweiungen.
  • Befähigung zu Ermutigung, Förderung des Guten, Stärkung und Festigung der Mitglieder.

An diesen Grundsätzen hat sich seither nichts geändert.

Aber...

Die Situation für Stellengesuche in unserem Bund hat sich nicht wesentlich verbessert. Immer noch gibt es wesentlich mehr freie Stellen und aktive Stellengesuche als zur Verfügung stehende Pastoren. Der Berufungsausschuss hat seit Veröffentlichung der "Berufungsbörse" seine Arbeit eingestellt und vermittelt aktiv keine Interessenten mehr. Es ist damit nicht mehr zu erwarten, dass auf diesem bisher üblichen Weg ein möglicher Kandidat seinen Weg zu uns findet.

Was nun?

Einzelne Stimmen denken bereits (mehr oder minder laut) darüber nach, ob wir denn überhaupt einen Pastor benötigen. Ob nicht der "Gast"-Predigtdienst ausreiche. Es gäbe Beispiele anderer Gemeinden, die wunderbar ohne hauptamtlich Dienende funktionieren.

Alles richtig. Aber es gibt trotzdem gute Gründe, weiter nach einem Pastor zu suchen.

  • Eine wichtige Aufgabe besteht (zusammengefasst gesprochen) im "seelsorgerlichen" Bereich. Dazu wäre es vorteilhaft, wenn der "Seelsorger" auch zeitlich frei und flexibel agieren kann, um (wenn erforderlich) nicht nur gelegentlich oder mit viel Vorlauf zu Gesprächen oder Besuchen zur Verfügung zu stehen. Das kann ein "Ehrenamtlicher", der anderswo noch in einem aktiven Beschäftigungsverhältnis steht, in der Regel nicht leisten. Ein Gastprediger mag die Kompetenz besitzen, seelsorgerlich tätig werden zu können, aber auch er wird die nötige Zeit (und Ausdauer) in der Regel nicht aufbringen können.

  • Eine ähnliche, nah verwandte Aufgabe besteht darin, wo möglich, an der Aufarbeitung von Verletzungen und Entzweiungen mitzuhelfen, mit dem Ziel von Heilung, Versöhnung und Wiederherstellung. Das wird am Besten geschehen können, wenn der Vermittelnde seine Aufgabe frei und unbelastet aller eventueller früherer Vorkommnisse ausüben kann, oder ihm zumindest eine gewisse professionelle Unparteilichkeit zugesprochen werden kann. Das wird bei einem "Ehrenamtlichen", der in der Regel seit langer Zeit Teil der Gemeinde ist, nicht ohne wirkliche (oder vermutete) Schwierigkeit möglich sein.

  • Jede "lehrende" oder "richtungsweisende" Aufgabe in der Gemeinde (und sei es nur als Vorbild und Ermutiger) wird immer für den Lehrenden und einen Teil der Addressaten schwierig sein, solange es Spaltungen oder zumindest unterschiedliche Auffassungen und ungeklärte, trennende Ansichten in der Gemeinde gibt. Dem Lehrenden wird immer (ob berechtigt oder nicht, ob bewusst oder nicht) eine gewisse Grundhaltung oder Absicht zugesprochen, die ein unvoreigenommenes Zuhören erschwert. Das Ziel, Spannungen und Trennungen aufzulösen kann "von innen" damit nur sehr, sehr schwierig (und vielleicht gar nicht) aufgelöst werden. Ein kompetenter, aber unbelasteter "Außenstehender" kann dort besser und freier wirken.

Also...

Die eierlegende Wollmilchsau soll ein Pastor nicht sein. Wir haben in der jüngsten Vergangenheit viele Dinge selbst organisieren und schlichtweg "machen" müssen, die wir uns vorher vielleicht garnicht zugetraut hätten. Das ist gut. Dadurch sind Möglichkeiten offenkundig geworden, die vorher verborgen waren.

Auch mit einem neuen Pastor würden wir manche Aufgabe weiterhin und gerne aus unserer Mitte heraus zu erfüllen versuchen, und das ist auch gut so. Ein Pastor soll nicht alle Dinge erledigen, zu denen wir keine Lust oder keine Zeit haben, und uns "unterhalten", sondern idealerweise ein Team von Mit-Arbeitern um sich haben, die gemeinsam am Wohl und am Auftrag der Gemeinde arbeiten.

Das geht am Besten, wenn das gemeinsame Fundament der Gemeinde stabil und belastbar ist, und Trennungen, Spannungen und Spaltungen nicht länger ein bestimmendes Element sind. Genau diser Zustand lässt sich aber nur (oder zumindest deutlich eher) erreichen, wenn eine von der Gemeinde akzeptierte, kompetente, begabte und offensichtlich beruifene Person einige kritische und zeitintensive Aufgaben übernehmen kann. Ein "frischer" Pastor? Warum nicht!