Gemeinde (jedenfalls in unserem freikirchlichen Kontext) besteht aus freiwilligen Mitgliedern, die sich aus eigenen Stücken einsetzen und einsetzen lassen. Sie lebt davon, dass Interessierte das Gemeindeleben in allen Facetten miterleben können und mit hineingenommen werden. Gemeinde ist in diesem Sinne offen und möglichst schwellen- und barrierefrei.
Andersherum steht Gemeinde auch für bestimmte Wertevorstellungen und Weltbilder. Wer als Teil der Gemeinde in Erscheinung tritt oder Aussagen macht, der redet nicht nur für sich selbst, sondern vertritt in gewisser Weise das Kollektiv der Gemeinde. Das beinhaltet eine gewisse Verantwortung und darf nicht beliebig oder unreflektiert geschehen. Nicht jeder kann in gleicher Weise für die Gemeinde sprechen, ohne auch dazu beauftragt zu sein. Gemeinde muss in diesem Sinne gewisse Beschränkungen und Begrenzungen setzen.
In Bezug auf Mitarbeit in der Gemeinde (in ganz allgemeinen Sinn) ergeben sich dadurch leicht gegensätzliche Anforderungen, die beide berücksichtigt werden müssen. Hier ein Versuch, das Ganze zu ordnen.
Die Teilnahme an Gemeindeveranstaltungen steht grundsätzlich jedem offen. Das gilt für unsere Gottesdienste, für Gebetszeiten, unsere Gemeindesamstage, Kleingruppen, und was sonst möglicherweise auch zukünftig noch an gemeinsamen Veranstaltungen entstehen mag. Natürlich wird nicht jede Veranstaltung für jedermann gleichermaßen sinnvoll, verständlich und nutzbringend sein, und es gibt sicherlich auch Treffen im seelsorgerlichen Kontext, für die andere Maßstäbe gelten, aber grundsätzlich sind unsere Veranstaltungen dem Wesen nach öffentlich und damit für jedermann zugänglich. Einschränkungen gibt es keine. Wer unsere Gottesdienste oder andere öffentliche Veranstaltungen besucht, muss nicht Mitglied unserer Gemeinde oder einer bestimmten Glaubensrichtung sein. Die Weltanschauung unserer Besucher ist zunächst einmal egal und muss nicht mit unserer übereinstimmen. Jeder ist herzlich willkommen und darf an unseren Veranstaltungen teilhaben. Punkt.
Unsere Gemeinde hat keine angestellten Mitarbeiter, die sich um die alltäglichen Belange kümmern. Jeder legt nach seinen Möglichkeiten selbst Hand an. Wenn unsere Gäste, Besucher oder Freunde von sich aus bei praktischen Tätigkeiten mitmachen möchten, oder ihre Hilfe anbieten, können sie das ohne Weiteres tun. Ob es darum geht, z.B. in der Kinderbetreuung mit den Kindern zu spielen oder zu basteln, nach dem Gottesdienst die Kaffeetassen einzusammeln und zu spülen, oder auch mal punktuell in der Gruppe beim Putzen oder der Gartenarbeit mitzumachen: All das ist möglich, solange es aus freien Stücken und ohne Verbindlichkeiten geschieht.
Selbst bei den einfachen praktischen Tätigkeiten gilt: Wer solche Tätigkeiten regelmäßig ausübt, von dem geht (bewusst oder unbewusst) auch eine gewisse Vorbildfunktion aus. Auch hier ist grundsätzlich jede Mitarbeit von (regelmäßigen) Besuchern oder Freunden möglich, solange sie aus freien Stücken geschieht. Wegen der genannten Vorbildfunktion wäre es allerdings wünschenswert, wenn die Mithelfenden zumindest unseren Grundideen und Wertevorstellungen zustimmen und sich entsprechend verhalten können. Die gemeindeeigenen "Kollegen" sollten hier mit vernünftigem Augenmaß vorgehen und die Situation in der Gruppe beobachten. Es wäre nicht gut, wenn sich durch einen Helfenden ungehindert und unkommentiert fremde und potentiell ungesunde Ideen und Wertevorstellungen in der Gemeinde verbreiten. Wir müssen nicht "Polizei spielen", aber wir dürfen (und sollten) auch vor den Helfenden oder in der Gruppe ansprechen, wenn wir den Eindruck haben, dass da "etwas nicht passt".
Mitarbeiter in leitenden Funktionen haben bereits aus ihrer Funktion heraus einen stärkeren Vorbildcharakter und prägen (gewollt oder ungewollt) ihr Umfeld. Dementsprechend wird von leitenden Mitarbeitern erwartet werden dürfen, dass sie in ihrem Handeln und ihren Aussagen dem Leitbild und den Wertevorstellungen der Gemeinde entsprechen. Das ist nichts gemeindespezifisches; das gilt entsprechend auch für jede Firma und jeden Verein. Mitarbeiter in leitenden Funktionen repräsentieren in gewisser Weise ihre Firma oder Gemeinde (und sollten sich dessen und ihrer damit verbundenen Verantwortung bewusst sein).
Ähnliches gilt für Mitarbeiter an stärker "sichtbaren" Stellen, z.B. solchen, die Gottesdienste aktiv mitgestalten, oder bestimmte öffentlich sichtbare Aufgaben übernehmen, wie z.B. regelmäßig vor der Gemeinde sprechen oder im musikalischen Bereich tätig sind. Vereinfacht dargestellt: Es geht um all die, die regelmäßig "auf der Bühne stehen", auch ohne leitende Mitarbeiter im eigentlichen Sinne zu sein.
Solche Aufgaben sollten, abhängig von der jeweiligen Sichtbarkeit und Reichweite, idealerweise von entsprechend bewährten und zuverlässigen Mitgliedern der Gemeinde ausgeübt werden. Auch hier können prinzipiell auch punktuell einmal Gäste und Freunde der Gemeinde mit eingebunden werden, aber mit Bedacht und Augenmaß. Was gar nicht wünschenswert ist, das wäre z.B. dass jemand, der in seinem Weltbild oder in seiner Lebensführung von unserem gemeinsamen Glauben und Wertesystem abweichende Standpunkte vertritt, regelmäßig prominent in Erscheinung tritt, und so (unterschwellig und unausgesprochen) unsere Werte verwischt und verbiegt.
Wer auf der Bühne steht und regelmäßig vor der Gemeinde spricht oder "lehrt", soll auch unseren gemeinsamen Glaubensgrundlagen entsprechend reden und handeln. Auch die Lebensführung soll dazu passen, ohne Verstellung und Schauspielerei. Das finden wir auch in der Bibel so angelegt. Mit weniger sollte die ganze Gemeinde nicht zufrieden sein. Manche Aufgabe kann vielleicht nicht jeder ausfüllen.
Die Herausforderung besteht darin, dass wir alle — ausnahmslos — fehlerhafte und unvollkommene Menschen sind, die trotzdem von Gott in große und wichtige Aufgaben gesetzt werden. Wir sollen aufeinander Acht haben, aber keine Vollkommenheit in einem Maß erwarten, die selbst Gott nicht an uns stellt. Wir alle leben aus Gnade und aus Vergebung. Wir sollten gnädig mit Fehlern und Unvollkommenheiten bei unseren Brüdern und Schwestern sein. Aber uns und anderen auch keine Unaufrichtigkeit und Selbstgerechtigkeit durchgehen lassen. Auch hier gilt dabei der Grundsatz, dass wir die Gemeinde im Blick haben müssen, aber ebenso den Menschen, der einen Fehler gemacht hat und vielleicht an seinem Fehler festhält. Was tut der Gemeinde gut und ist nötig? Was tut dem Menschen gut, dessen Handlen wir fragwürdig finden? Wir sollten mögliche Probleme ansprechen, aber immer einen Weg anstreben, der auch demjenigen, der einen Fehler gemacht hat, einen würdevollen Ausweg bietet.
Einzelne Mitarbeiter in der Gemeinde sind mit besonderen Aufgaben betraut, z.B. im Umgang mit Finanzen, mit Mitgliederdaten, oder in der Seelsorge. Diese Aufgaben bergen eine besondere Verantwortung und benötigen ein großes Vertrauen und Rückhalt in der Gemeinde. Solche Aufgaben können nur und ausschließlich von bewährten, befähigten und verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gemeinde ausgeübt werden. Solche Aufgaben sind allein schon aus Sicht des Datenschutzes und des Schutzes vertraulicher persönlicher Informationen streng privater und nicht öffentlicher Natur. An dieser Stelle ist es nicht möglich, Gäste oder Freunde der Gemeinde aktiv und verantwortlich in solche Aufgaben mit einzubinden. (Das wird aber auch jeder Gast und Freund der Gemeinde, und sogar jeder Außenstehende gut verstehen können.)