Gemeinde hat einen mehrschichtigen Auftrag

  • Gemeinde soll Gott loben und verherrlichen (Auftrag nach oben)
  • Gemeinde soll ihre Mitglieder stärken, aufbauen und ermutigen (Auftrag nach innen)
  • Gemeinde soll die Gute Nachricht verkündigen (Auftrag nach außen)

Von diesen Teilaufträgen können wir keinen außer Acht lassen. Ohne den direkten Blick auf Gott sind wir nur noch ein Verein von gutmeinenden Menschen. Ohne gestärkte und im Geist geeinte Mitglieder wird an der Gemeinde nicht sichtbar, wie Jesus uns Menschen verändert. Ohne Hinwendung und Sprachfähigkeit nach außen bleiben wir einsam und steril. All das geht an dem vorbei, was Gott von uns erwartet.

Wie können wir Gott loben und verherrlichen?

Unser Leben soll ein Gottesdienst sein. In unseren Gottesdiensten wird viel gesungen und gebetet (und das soll auch so sein!) um Gott die Ehre zu geben. Anbetungs- und Gebetszeiten gehören dazu und können kaum zu viel vorhanden sein. Aber unsere ganze Lebensführung soll dem entsprechen, was wir dort singen und beten. Auf den Punkt gebracht: Ein Christ ist ein Christ auch wenn nicht Sonntag ist, sonst ist er ein Heuchler. Das ganze Leben soll davon sprechen und ausdrücken, dass wir von Jesus ungewandelt sind. Dazu brauchen wir gute und gesunde Lehre, Aufrichtigkeit und ein offenes Herz.

Wie kann jeder in der Gemeinde gestärkt und aufgebaut werden?

Jeder ist aufgefordert, so zu reden und zu handeln, dass es dem Aufbau der Gemeinde nutzt. Wir brauchen Vorbilder, Ermutigung, Einsatz und Hingabe. Wir brauchen ein Klima des Vertrauens, der Aufrichtigkeit, der gegenseitigen Ergänzung und Fürsorge. Aber wir brauchen auch eine gesunde biblische Lehre und ein solides Fundament für unseren Glauben, ohne Enge und ohne Einseitigkeit, aber auch ohne falsche Freiheit.

An dieser Stelle kann uns ein Pastor helfen, der für genau diese Aufgaben von Gott berufen und in die Gemeinde gesetzt ist, - und auch nicht ihn oder sie allein, sondern als Teil einer Mannschaft, die in Einheit und vom gleichen Geist getrieben zusammen wirkt. Von Gott mit den Gaben ausgerüstet, die sie alle dazu brauchen. Wir brauchen eine Seelsorge, die eine Situation und die beteiligten Menschen ins Licht Gottes stellt und nicht nur die Seele tröstet.

Wie können wir die Gute Nachricht verkündigen?

Wir tun es sowieso. Wir sind sowieso Zeugen; vielleicht gute, vielleicht schlechte, aber neutral sind wir ohnehin nicht. Auch ohne Worte zeugt unser Leben von irgendetwas, ob wir das beabsichtigen oder nicht.

Was strahlt mein Leben aus? Freude? Dankbarkeit? Güte? Wärme? Großzügigkeit? Aufrichtigkeit? Gerechtigkeit? Überzeugung? Festigkeit? Unser Handeln spricht ohnehin viel lauter als alle unsere Worte. Das sollte uns ein wenig Druck wegnehmen, doch unbedingt zu jeder Gelegenheit die passenden guten Worte auf den Lippen zu haben.

Es gibt Menschen, die sind von Gott berufen und begabt, in der Öffentlichkeit etwas sehr Gutes und Hilfreiches zu sagen oder darzustellen, das anderen Gott näherbringt. Die meisten Menschen wären damit aber überfordert. Was wir aber alle tun können, das ist, in unserem Umfeld aufrichtig und offenherzig und entsprechend Gottes guten Werten und Tugenden als Christ zu leben. Dem Nachbarn und dem Bruder ein guter Nachbar und Bruder zu sein. Mal mit anpacken, wenn es hilft, oder einen zum Kaffee einladen. Dem Chef und dem Kollegen ein guter Angestellter und Kollege sein. Nicht schleimen und buckeln, sondern auch mal Kante zeigen, soweit es angebracht ist, aber immer freundlich und höflich und fair. So kann man auch ohne Worte die Gute Nachricht verkünden, und manchmal können dann auch Worte folgen, die dann auf vorbereiteten Boden fallen, weil wir den Menschen nicht mehr unbekannt sind.

Sollen die Menschen an uns sehen, was es bedeutet, Christ zu sein. Das ist so viel mehr wert als nur schöne Worte. Dazu müssen wir aber auch offen und bereit sein. Und dazu möchte ich sehr, sehr deutlich ermutigen!

Berufung

Noch ein paar Worte zur Berufung. Das scheint auch in christlichen Kreisen leider kein fester, eindeutiger Begriff mehr zu sein, sondern wird von unterschiedlchen Menschen unterschiedlich gebraucht und verstanden.

Von der biblischen Begrifflichkeit her ist es eindeutig immer Gott, der in besondere Aufgaben und Aufträge beruft. In den bibelorientierten evangelischen Gemeinden und Gemeinschaften war dieses Verständnis auch lange Zeit durchgängig so verstanden: Es ist zuallererst Gott selbst, der in eine gemeindliche Aufgabe oder ein "Amt" beruft, sei es als Pastor, als Evangelist, als Seelsorger, als Diakon, und so weiter. Und so soll das auch sein. Gott beruft, - und keine Kirchenhierarchie, kein Gremium und keine demokratische Wahlversammlung.

Der Begriff "Berufung" wird auch in anderen Zusammenhängen verwendet, wie zum Beispiel bei einer "Berufung" eines Professors an eine Universität oder eines Richters an ein Landgericht. Dort sind es aber Menschen oder menschliche Gremien, die auf Grundlage von vorhandener Ausbildung, Erfahrung und anderer Voraussetzungen jemanden berufen. Diese Vorstellung hat sich (leider) auch stark in den gemeindlichen Kontext eingeschlichen. Hier wird (leider) auch nicht mehr zwischen Beruf und Berufung unterschieden: In die gemeindliche Aufgabe wird eingesetzt, wer die entsprechende Ausbildung hat und die fachlichen Voraussetzungen erfüllt. "Berufen" ist, wen das zuständige Gremium als geeignet auswählt.

Das stellt leider (unbemerkt?) einige Dinge auf den Kopf. Schauen wir in die biblischen Berichte, finden wir: Gott beruft nicht unbedingt diejenigen, die offenkundig in Frage kommen. Gott scheint Dinge im Block zu haben, die unseren Augen entgehen. Und Gott begabt dann nach den Erfordernissen diejenigen, die er berufen hat, oder stellt ihnen eine passende Verstärkung zur Seite. Schauen wir aber in die aktuelle Methodik der Ämter- und Aufgabenvergabe in den Kirchen und Gemeinden, sehen wir eher: Es werden (entsprechend der Erfordernisse) zuerst die Begabten gesucht, und aus diesen wird dann "berufen". Die Frage nach Gottes Berufung wird vielfach garnicht mehr gestellt, oder als systemimmanent angenommen. Man hat ja vorher um Führung gebetet und hinterher gedankt.