Staunend stelle ich fest: Auf den Kirchentagen (dort schon länger), in zunehmend vielen Events und Veranstaltungen, im Bereich "Aktuelles" vieler kirchlicher Bünde und Institutionen findet man immer mehr zu Themen wie "Nachhaltigkeit" oder "Klimaschutz", und die mehr oder weniger ausgesprochene Aufforderung: Ihr Christen, da seid ihr herausgefordert!

Der Christ von heute, wenn er denn ernstgenommen werden möchte, fährt mit dem Rad zur Arbeit, trägt T-Shirts und Hosen aus kinderarbeitsfrei und klimaneutral hergestellter, fair gehandelter Bio-Baumwolle, is(s)t vegan und legt Wert auf ressourcenschonend hergestellte Lebensmittel, demonstriert gegen Waldsterben und den Klimawandel, unterstützt Müllsammelprojekte auf den Philippinen und arbeitet ehrenamtlich an mindestens zwei Tagen die Woche ehrenamtlich an einem Umweltschutzprojekt mit.

Kirchen und Gemeinden werben damit, endlich "fair" und "nachhaltig" zu sein, veranstalten Themenabende zu den Gefahren der gobalen Erwärmung, und sind selbst in ihren Predigten bemüht, keines der aktuellen Schlagwörter und populären Politismen auszulassen, um nicht altbacken und überholt zu erscheinen. In gendergerechter Sprache.

Aber sind das alles tatsächlich so zentrale, urchristliche Themen?

Bei allem Respekt und Verständnis für die Menschen, die sich dort mit Herz und Hand einsetzen: Jesus ist in die Welt gekommen, um Menschen aus ihrem Getrenntsein von Gott zu retten, nicht aus einer Klimakrise. Es geht ungerecht in der Welt zu, das ist unbenommen. Aber das eigentliche Problem ist, dass die Menschen sich lieber auf ihre eigenen Möglichkeiten und Erkenntnisse verlassen, das besser zu regeln, und selber Meister ihres Lebens sein möchten, als nach Gottes Wegen zu fragen. Dass sie sich von Gott entfernt haben, und nicht mehr gut von böse und wahr von unwahr unterscheiden können. Es ist verständlich und lobenswert, dass sich viele, besonders auch junge Menschen, Sorgen um die Zukunft unseren Planeten machen, und Wege suchen, eine Katastrophe zu verhindern. Aber die Bibel zeichnet ein anderes Bild: Wir leben - leider - in einer gefallenen Welt. Es ist gut und lobenswert, die Schönheit und den Reichtum der Schöpfung Gottes erhalten zu wollen. Aber wie viel wichtiger ist es, wieder mit dem Schöpfer versöhnt zu werden. Und diese Versöhnung werden nicht alle Menschen annehmen wollen, und die Welt selbst gestalten wollen. Und diese alte Welt, so sagt es uns Gott, der Schöpfer in der Bibel, hat ein Ablaufdatum.

Auch wenn sich Kirchen und kirchliche Institutionen momentan viele der Themen auf die Fahnen schreiben, die die junge Generation bewegt: Sie dürfen dabei nicht ihren eigentlichen Auftrag vergessen, Menschen auf ihr Getrenntsein von Gott hinzuweisen, und auf die Möglichkeit und das Angebot in Jesus, die Verbindung wieder herzustellen. Die Christen müssen vorsichtig sein, eine Herzensumkehr zu Gott nicht mit einer politischen Gesinnungsumkehr zu verwechseln. Christ wird man durch Umkehr von seinem selbstbestimmten Leben hin zu Gott; durch neues Leben und innere Umwandlung aus dem Geist Gottes. Ein Christ, der so mit Gott versöhnt ist, kann selbstverständlich auch etwas unternehmen, um in seinem Umfeld, in zeitlicher und örtlicher Begrenzung, etwas für Gerechtigkeit und das Wohlergehen seiner Mitmenschen (und meinetwegen auch anderer Mitkreaturen) zu arbeiten. Aber aller Einsatz und aller guter Wille und alle Arbeit und Hingabe an sich werden niemals dazu führen können, dass er sich den Himmel verdient.

Leider scheinen aber viele (auch kirchliche) Aktionen diesen Punkt zu verschweigen oder gar umzudeuten. Allzuoft hat man den Eindruck, die neue Gute Nachricht sei: "Setze dich für die Umwelt ein, demonstriere für den Frieden, mich mit bei Fridays for Future und iss Blumenkohl statt Schnitzel, dann tust du Gottes Werk!" Mir tut das weh, wenn Christsein in manchen Gruppierungen daran gemessen wird, wieviele Bäume man in dieser Woche schon umarmt hat, wieviele Umweltdemos besucht, und ob man seinen Müll fachgerecht trennt und entsorgt. Nein, das reicht zu kurz. Das ist eher die Linie der humanistische Idee, dass der gute Mensch sich seinen Weg hinauf zum Himmel selbst bauen kann. "Wenn der Mensch nur will, kann er alles erreichen!" (Unausgesprochen: ohne Gott; den brauchen wir nicht.) Das hat man auch schon zu Babel versucht - und ist gescheitert. Die Bibel ist da eindeutig: Ja, es gibt einen Himmel; ein ewiges, wunderbares Zuhause, in dem tatsächlich alle Tränen abgewischt werden, und in dem kein Tod und kein Leid mehr sein werden. Aber der einzige Weg dorthin ist, sich von Jesus hinauf und hineinheben zu lassen. Es geht kein Weg an ihm vorbei. Und all unsere menschlichen Leitern und Treppen sind zu kurz.

Viel, viel zu viel, an den aktuellen Aktionen, Ideen und Konzepten basiert auf der Idee, dass der Mensch sich selbst ein Paradies, einen Himmel schaffen kann. Dass der Mensch nur seine Möglichkeiten und seinen Erfindungsreichtum für die richtigen Sachen einsetzen muss: Dann kann er verhindern, dass Menschen Ungerechtigkeit erleiden müssen, dass sie krank werden und sterben müssen, dass unsere Welt an ihren Begrenzungen zugrunde geht. Das ist genau das Versprechen, dass die Schlange im Paradies dem Menschen gemacht hat: Ihr könnt so sein wie Gott. Die Schlange hat das Versprechen nicht halten können. Es war auch nie ihre Absicht; sie wollte damit aus purer Bosheit das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen stören, und das ist ihr gelungen.

Gott hat den Menschen einen Retter geschickt, der sie retten sollte, Jesus Christus. Einen anderen Weg gibt es nicht. Wenn die Kirche und die Christenheit diesen, einzigen, zentralen Aspekt beiseite schiebt, und mehr Wert auf irdische, soziale, politische und humanitäre Ziele und Ideale legt, dann mag sie vielleicht eine zeitlang von einer populistischen Welle emporgetragen werden, aber sie verfehlt ihr eigentliches Ziel.

Ist das ganze Klimaschutz- und Gerechtigkeitszeug denn alles Quatsch?

Nein. Wenn technischer Fortschritt uns in die Lage versetzt, unser Haus auch mit weniger und saubererer Energie und weniger schädlichen Nebenwirkungen zu beheizen, dann sollten wir das als gute Möglichkeit annehmen und tun. Lasst uns doch unsere Beleuchtung auf LED umstellen, wenn wir dadurch nur noch ein Viertel an Energie für die gleiche Lichtausbeute verbrauchen. Lasst uns doch die alte, marode Ölheizung gegen eine moderne Wärmepumpe und ggf. Solarunterstützung austauschen, wenn wir wirtschaftlich dazu in der Lage sind. Lasst uns doch auch mal mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren statt mit dem Auto. Das ist doch eine gute Sache! Aber lasst uns diese Dinge ganz leise und selbstverständlich tun, wo sie sinnvoll sind (und nur da!) und gar nicht erst damit anfangen, sie zu vergeistlichen und mit göttlichem Glanz zu überfrachten und uns damit zu rühmen.

Wenn wir in unserem Umfeld eine echte (nicht nur so empfundene) Ungerechtigkeit bemerken, dann lass uns etwas unternehmen. Und wenn wir nur mal Partei ergreifen für irgendjemanden, der zu Unrecht kleingemacht oder unter- drückt wird. Oder ihm zum Ausgleich was Nettes sagen oder tun. Aber lasst uns nicht dahin kommen, dass wir uns gerne über jede Kleinigkeit empören, und dabei unsere eigene Ungerechtigkeit oder Einseitigkeit nicht merken. Und lasst uns als Christen zeitgeistlich geprägte Must-Haves und No-Gos, Moden, Launen und Anschauungen niemals über Gottes Wort stellen. Und lasst uns über all dem nicht unsere eigentliche Aufgabe vergessen: Menschen davon zu erzählen und es vorleben, dass Jesus der Retter ist, der uns ewiges Leben schenkt, das diese Welt überdauert.