Es gibt heikle Themen in der Gemeinde, zum Beispiel wenn es Diskrepanzen zwischen Haltungen und Einstellungen geht, die in der Gesellschaft (mittlerweile) als "normal" und "praktikabel" gelten, aber im biblischen Kontext anders bewertet werden: "Warum soll ich nicht lügen, wenn ich damit Schwierigkeiten aus dem Weg gehen kann?" - "Wieso ist das Betrug, wenn es doch alle machen?"
Gesellschaft wandelt sich. Viele Änderungen gehen auch in das Miteinander der Gemeinde ein. Aber nicht jede "moderne" Änderungen muss eine Verbesserung bedeuten. Es gibt auch Dinge, bei denen eine christliche Gemeinschaft vielleicht zu Recht erst einmal zögerlich und nachdenklich reagiert. Und vielleicht zu Recht.
Die oben genannten Beipiele sind gesellschaftsfähig. Doch in der Bibel werden sie unmissverständlich "Sünde" genannt. Blöd ist, dass dieses Wort mittlerweile eine extrem verstaubte und manchmal nur noch lächerliche Konnotation hat. Ein passenderer, verständlicherer Begriff wäre vielleicht "Zielverfehlung". Gut gemeint, aber leider daneben. Du tust Dir selber und anderen damit nicht gut!
Macht das denn einen Unterschied?
Christen sagen, und so lesen sie es in der Bibel, dass sie aus Gnade gerechtfertigt sind. Sie sind nicht selber die Helden: Ganz im Gegenteil. Aber sie haben erkannt (und bekannt), dass ihre guten Absichten nicht ausreichen, dass sie aus eigener Kraft sich niemals einen Himmel erarbeiten können. Was sie selber planen und ausrichten geht oft genug schief. Ihnen fehlt die Weitsicht und der Überblick: Schuld wird angehäuft. Und Jesus, Hurra! nimmt uns die Schuld ab, wenn wir uns auf ihn verlassen und ihm vertrauen. ER ist unser Heil und unsere Rettung.
Was blöd ist: viele moderne theologische Erklärungen nennen Sünde nicht mehr Sünde. "Schuldgefühle" werden als das eigentliche Problem genannt. Und von denen kann man sich distanzieren. Und vieles, was die Bibel "Sünde" nennt, wird relativiert, als überholt und altmodisch erklärt, verworfen. Wir sind heute ja schlauer, weiter entwickelt.
Blöd nur: Wenn ich mich für eine Sache, die vor Gott möglicherweise "Zielverfehlung" ist, lieber Rechfertigungen und Erklärungen liefere, als um Vergebung zu bitten, dann hat Gott es schwer, mir meine Schuld wegzunehmen. Ich will sie ja garnicht loswerden: Ich habe sie ja gerade als gut und wertvoll erklärt. Rechtfertigung (eigene) und Vergebung schließen sich aus. Mir ist die Vergebung lieber.