Ein Ganz Schwieriges Thema

Oder: Homosexualität und christlicher Glaube

Das Thema ist aus verschiedenen Gründen schwierig: Zum einen bewegen sich konservativ-biblische Standpunkte und die "moderne" Sicht zunehmender Teile der Gesellschaft auf praktizierte Homosexualität derzeit in stark gegenläufige und kaum zu vereinbarende Richtungen, zum anderen ist auch der "christliche" Standpunkt abhängig von der zugrundeliegenden theologischen Lehre sehr inhomogen. Es gibt in der vollen Breite der kirchlichen und theologischen Ausrichtungen praktisch keinen gemeinsamen Nenner.

Was glauben wir denn eigentlich? Was glauben wir denn eigentlich?

Basis unseres gemeinsamen und "gemeindlichen" Standpunktes kann auf Grund unseres Werdeganges und unserer Erfahrungen nur einer sein, der die biblischen Aspekte sehr ernst nimmt und über aktuelle Geistesströmungen, Philosophien und Wertkonzepte stellt. Wir haben erfahren und erlebt, dass es gut tut, die Weisungen und Ratschläge der Bibel zu beachten und nicht wegzuerklären. Es mag schwierige Stellen geben, aber klare und eindeutige Aussagen möchten wir nicht beiseite schieben.

Gott hat die Menschen als Mann und Frau füreinander geschaffen.

Die Idee Gottes ist ganz klar: Es gibt Menschen als Mann und als Frau. Sie sollen sich ergänzen und füreinander da sein. Das ist "konstruktiv" so angelegt! Im Normalfall sollen Mann und Frau ihr Leben lang in Treue zusammen bleiben, und sich gemeinsam um ihre Famile kümmern. Anders als neuzeitliche Strömungen und Konzepte kennt die Bibel keine "nichtbinären Personen" und macht keinen Unterschied zwischen "Gender" und "Sex", zwischen biologschem und "gefühltem" Geschlecht. Anders als neuzeitliche Strömungen und Konzepte kennt die Bibel keine "Lebensabschnittspartner".

Wohl aber erzählt die Bibel von dem frühen Bruch zwischen den Menschen und Gott. Vom Willen nach Unabhängigkeit, von Auflehnung gegen Gottes "Bevormundung". Wir leben in einer "gefallenen" Welt, in der die Menschen sich im allgemeinen von Gott losgesagt haben, und sich "auf Teufel komm raus" lieber von ihren eigenen Wünschen, Plänen und Leidenschaften antreiben lassen, als nach Gottes Ideen zu fragen. Und nicht merken, dass sie sich und andere damit kaputt machen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich noch Reste einer einstigen "christlichen" (oder eher kirchlich-traditionellen) Grundprägung vorhenden sind, aber sich mehr und mehr verlieren, oder sogar bewusst abgebaut werden.Wir können nicht erwarten, dass sich in einem solchen Umfeld gesellschaftliche Strömungen und ein "Zeitgeist" mit einem biblisch-begründeten, glaubenden, christlichen Weltbild vertragen.

In einer gefallenen Welt, die ohne Gott auskommen will, und sich selber ein Paradies erkämpfen und erarbeiten will, geht ganz selbstverständlich nicht so zu, wie es ursprünglich gedacht war. Die Bibel ist da ganz realistisch. Auch im Hinblick auf die Geschlechtlichkeit gibt es den Ausbruch aus dem ursprünglichen Plan. Die Bibel spricht ganz klar von "Menschen, die ihren eigenen Ideen folgen, und verloren gehen", von Menschen, die den ursprünglichen Plan Gottes gegen etwas Falsches und Zerstörerisches vertauscht haben. In einer gefallenen Welt kann tatsächlich niemand mehr sagen: "Ach. wenn Gott mich doch so geschaffen hat...!" Ich muss - als Mensch in einer gefallenen Welt - auch als Christ - davon ausgehen, dass nicht alle meine Wünsche und Vorstellungen, all meine Überzeugungen und Leidenschaften richtig sind.

Praktizierte Homosexualität wird nirgends in der Bibel positiv dargestellt.

Zunächst mal ist festzustellen: so unglaublich viele Bibelstellen zum Thema gibt es gar nicht. Offenbar gab es zu allen Zeiten Themen, die viel wichtiger waren. Die Stellen, die es gibt, sind dafür aber sehr eindeutig und wenig interpretierbar: Mann und Frau gehören zusammen, und zwar in Treue. Andere Kombinationen sind nicht ok. Und das sind nicht nur alttestamentarische Stellen, die ausdrücken, dass es "dem Herrn ein Gräuel ist, wenn ein Mann bei einem Manne liegt". Paulus bringt es deutlich auf den Punkt, dass solche Dinge leider Teil und Auswirkung einer gottfernen Weltordnung sind (Röm 1,25ff):

Sie haben Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen.  Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn bei ihnen haben Frauen den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen;  27 desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Männer mit Männern Schande über sich gebracht und den Lohn für ihre Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

Es gibt Erklärungs- und Deutungsversuche, die darauf abzielen, dass die im Neuen Testament angeprangerten Spielarten von Homosxualität solche waren, wo ein Untergebener, Rechtloser, von einem Höhergestellten homosexuell ausgebeutet und missbraucht wird, und eben nicht um eine partnerschaftliche, einmütige Lebensgemeinschaft. Das mag in der damaligen Gesellschaftsstruktur häufiger vorgekommen sein, als heutzutage bei uns. Es bleibt aber eine Ergänzung, die sich nicht aus dem Wortlaut selbst ergibt. Sehr überzeugend sind die Erklärungen m. E. nicht.

Achtung! Homosexualität ist nur eines von vielen anderen Dingen, die Gott offenbar nicht mag.

Homosexualität ist gerade in heutigen Zeiten ein sehr, sehr polarisierendes Thema. Manche Aussage aus christlichen Kreisen mag so verstanden werden, dass sexuelle "Sünden", und insbesondere Homosexualität, der Gipfel aller Sünde sei, das Schlimmste, das ein Mensch nur tun kann. Das stimmt nicht. Es ist richtig, dass homosexuelle Handlungen in den biblischen Texten als Zeichen der Entfremdung von Gott gesehen und abgelehnt werden, aber im gleichen Atemzug werden auch andere "Sünden" oder Verfehlungen genannt, die als ebenso falsch bezeichnet werden: Ungerechtigkeit, Bosheit, Gier, Gemeinheit, Neid, Mord, Streit, Betrug, Hinterhältigkeit, abfälliges Reden, Verleumdung, Gewalttätigkeit, Arroganz und Großtuerei und vieles andere mehr. Das alles nennt die Bibel "Sünde". Sünde aber heißt eigentlich "Zielverfehlung". Die Menschen ohne Gott leben am eigentlichen Ziel und Zweck ihres Lebens vorbei. Das ist uns allen eigen, denn wir leben leider in einer gefallenen Welt und unter einer von Gott entfremdeten Weltordnung. Darum ist es auch ganz wichtig zu verstehen: Eine Sache, als Sünde (Zielverfehlung) zu bezeichnen ist keine Abwertung im Sinne von "ich bin aber besser als Du", sondern erst mal nur ein Hinweis: "Du, diese eine Sache, die Du für völlig in Ordnung hältst, ist vor Gott nicht ok." Ich bin als Christ nicht besser. Ich habe ganz sicher auch meine blinden Stellen, und brauche vielleicht auch manchen Hinweis, der mir meine Fehler zeigt. Ich versuche aber, mehr von meinen Fehlern zu erkennen und dann von ihnen zu lassen. Ich versuche nicht, meine Fehler zu rechtfertigen, sondern von ihnen befreit zu werden. Und ich weiß, mir wird vergeben, und Jesus macht mich immer wieder neu, solange ich mich an ihn halte.

Was nun?

Als Betroffener mag vieleicht eine Einstellung hilfreich sein, wie sie z.B. von Sam Allberry empfohlen wird. Sam hat nach eigenen Worten ungefähr zur gleichen Zeit angefangen, Jesus nachzufolgen, und zu merken, dass er sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt als zum anderen. Ihn hat das sehr beschäftigt, und er hat sich sehr mit den biblischen Aussagen zu diesem Thema und ganz allgemein zum Umgang miteinander und mit Gott beschäftigt. Die Bibel zeigt einen alternativen Weg für diejenigen, die aus ganz verschiedenen Gründen nicht den Weg in eine dauerhafte, "biblische" Ehe gehen können: Die frei gewählte Enthaltsamkeit. Vergleiche Mat 19,12. Da redet Jesus von Menschen, die sind von Geburt an zur Ehe unfähig; manche werden von Menschen dazu gemacht; und manche verzichten von sich aus auf die Ehe, un ganz für das Himmelreich da zu sein. Diesen Weg ist Sam selbst gegangen. Heute ist er ordinierter Pastor der Anglikanischen Kirche, lebt und arbeitet in den USA.

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Weitere Stichworte

Das Thema Homosexualität als "Spielart von Geschlechtlichkeit in einem Kontinuum" ist eingebettet in die Gender-Problematik. Ist das eigene Geschlecht tatsächlich nur ein "Konstrukt"? Ist es damit ein Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung, wenn man seine "sexuelle Identität" selbst bestimmen kann. Ist das eine fundierte und längst überfällige "Erkenntnis"? Oder doch nur eine Philosophie und selbstgewählte Weltanschauung? Bei den Biologen und in der Medizin gibt es (nicht nur beim Menschen) genau zwei Geschlechter; Abweichungen davon tauchen auf, aber sind eben nur Abweichungen mit meist negativen Folgen für die Gesundheit. In der modernen Soziologie gibt es nun eine ganze Bandbreite von "Gender", und das biologische und das selbstempfundene Geschlecht müssen dort nicht übereinstimmen. In der Auflösung der "binären" Geschlechtlichkeit verbirgt sich natürlich auch die Frage, warum denn überhaupt eine traditionelle, heterosexuelle Ehe die einzig erlaubte und "normale" Form /(auch) sexueller Gemeinschaft sein soll. Fragen, die man nicht stellen darf: Wieviel davon (im individuellen Bereich, nicht als Philosophie) ist Wichtigtuerei oder Modeerscheinung?

Das Thema Homosexialität ist hochexplosiv und extrem polarisierend. Homosexuelle werfen den (zumindest evangelkal ausgerichteten) Kirchen Homophobie vor, und eine unzulässige Verteufelung nicht- traditioneller Lebensgemeinschaften. Christen werden als rückständig, unbelehrbar, intolerant, verklemmt und fortschrittsfeindlich dargestellt, als die sich ihre eigene Wahrheit schaffen und alles ablehnen, was nicht in ihr enges Schema und Weltbild passt. Manche Christen und christliche Organisationen andererseits geben leider gelegentlich auch Anlass zu diesen Vorwürfen. Es gelingt nicht, Homosexualität (und andere sexuelle Praktiken) nicht als "Die Schlimmste Sünde" darzustellen, sondern als einen Ausschnitt aus dem großen Bereich an Herausforderungen, mit dem jeder Mensch und jeder Christ in einer gefallenen Welt zu kämpfen hat.

Jesus, so zeigt sich deutlich, "hasst die Sünde, aber liebt den Sünder". Das sollte auch unsere Motivation sein und sich in unserer Botschaft zeigen. Es ist allerdings eine große Kunst (und erfordert göttliche Weisheit), klare Grenzen aufzuzeigen, was in Gottes ewiges Reich gehört, und was dort nicht passt, und doch unfertige Menschen doch in ihrer Unvollkommenheit und vielleicht andersartigen Prägung anzunehmen, um ihnemn überhaupt die Chance zu geben, Jesus zu erfahren, in ihr Leben aufzunehmen, und vielleicht dann eine Sinnesänderung zu erleben. Das ist allerdings nicht unsere Aufgabe (und auch garnicht im Bereich unserer Möglichkeiten), sondern die des Heiligen Geistes.

Was geht denn nicht? Niemand von uns würde auf die Idee kommen, als Fleischliebhaber in ein veganes Restaurant zu gehen, und dort lautstark darauf zu bestehen, ein Steak serviert zu bekommen. Das würden wir als übergriffig empfinden. Andererseits aber werden Kirchen und Gemeinden mit bösen Worten bedacht, wenn sie ein homosexuelles Paar nicht segnen oder trauen wollen. OK, die Kirche als "Dienstleister" für bestimmte Handlungen anzusehen, ist auch schon etwas schräg; aber dennoch hat da niemand Probleme damit, etwas zu fordern, obwohl das nicht zu den Überzeugungen der Betreiber passt. Wer bestimmt denn, was "geleistet" werden muss, und was nicht?

Bibeltexte zum Thema

  1. Mos 2,18+21-24: Gott, der HERR, sagte: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm jemanden zur Seite stellen, der zu ihm passt!« Da [...] formte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. Da rief dieser: »Endlich gibt es jemanden wie mich! Sie wurde aus einem Teil von mir gemacht – wir gehören zusammen!« Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.

  2. Mos 5,1b-2: Als Gott die Menschen schuf, machte er sie nach seinem Ebenbild. Er schuf sie als Mann und Frau, segnete sie und nannte sie »Mensch«.

  3. Mos 18,22: Ein Mann darf nicht mit einem anderen Mann schlafen, denn das verabscheue ich.

  4. Mos 20,13: Wenn ein Mann mit einem anderen Mann schläft, ist dies eine abscheuliche Tat. Beide sollen mit dem Tod bestraft werden, ihre Schuld fällt auf sie zurück.

  5. Kor 6,9-10: Ist euch denn nicht klar, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes Reich kein Platz sein wird? Täuscht euch nicht: Wer sexuell unmoralisch lebt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, wer sich von seinen Begierden treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird nicht in Gottes Reich kommen; auch kein Dieb, kein Habgieriger, kein Trinker, kein Verleumder oder Räuber.

Röm 1,26-27a: Weil die Menschen Gottes Wahrheit mit Füßen traten, gab Gott sie ihren Leidenschaften preis, durch die sie sich selbst entehren: Die Frauen haben die natürliche Sexualität aufgegeben und gehen gleichgeschlechtliche Beziehungen ein. Ebenso haben die Männer die natürliche Beziehung zur Frau mit einer unnatürlichen vertauscht: Männer treiben es mit Männern, ohne sich dafür zu schämen, und lassen ihrer Lust freien Lauf.

  1. Tim 1,8-10: Wir dagegen wissen: Das Gesetz von Mose ist gut, wenn es nur richtig gebraucht wird. Aber für wen ist denn das Gesetz bestimmt? Doch nicht für Menschen, die nach Gottes Willen leben, sondern für solche, die gegen das Recht verstoßen und sich gegen Gott und seine Gebote auflehnen: Es gilt für Menschen, die von Gott nichts wissen wollen und Schuld auf sich laden, für Niederträchtige und Gewissenlose, für Leute, die ihren Vater und ihre Mutter oder einen anderen Menschen töten, sexuell unmoralisch leben, homosexuell verkehren, für Menschenhändler, für solche, die lügen und Meineide schwören oder in irgendeiner anderen Weise gegen die unverfälschte Lehre unseres Glaubens verstoßen.